Editorial 2025 | 2 – Jugendverbandsarbeit als Motor für Demokratie, Bildung & Chancengleichheit

Liebe Mitglieder und Freunde,

uns macht eine Sache wirklich Sorgen: Seit Corona scheint sich die Diskussionskultur in der gesamten Gesellschaft sehr verhärtet zu haben. Dauertopics sind ja der Ukraine-Krieg und die Migration. Gaza-Krieg und Trump tun ihr übriges. Das alles – ordentlich vermischt mit Social Media (wo ja keiner dem anderen in die Augen zu schauen braucht) – hat eine Streitatmosphäre erzeugt, in der Beleidigungen und Bedrohungen an der Tagesordnung sind. In Talkshows können wir das täglich erleben, und im Bundestag ist das Ganze nun auch schon angekommen.

Wir rufen den Streithälsen zu: Ja, diskutiert, sagt Eure Meinung zu allem, was Euch berührt und wichtig ist. Aber lasst gefälligst rassistische, sexistische oder sonstige diskriminierende oder gar gewaltandrohende Bemerkungen. Wer überzeugen will, der legt nicht nur seine eigene begründete Meinung dar, sondern geht auch auf die Argumente seines Contraparts ein, widerlegt (oder bestätigt sie) mit glasklaren Fakten und akzeptiert, dass der andere einen anderen Standpunkt haben kann. Akzeptieren wie gesagt nur dann, wenn dieser Standpunkt nicht ins Extremistische oder total  Irrationale abgleitet. Bei manchen Leuten dreht man sich besser einfach um und lässt sich nicht aus dem eigenen Konzept bringen.

Wir versuchen seit vielen Jahren, junge Leute in der Ausbildung einer reflektierten Meinungsbildung und demokratischen Partizipation zu unterstützen und zu begleiten. Es freut uns besonders, dass im ersten Quartal 2025 die 3 Veranstaltungen zu den Wahlen so gut angenommen worden sind. Allein unserem Aufruf zur Wahlsimulation für unter 16-jährige sind sehr viele Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Vereinen und Nachbarschafts-Schulen gefolgt. Und die Ergebnisse und Reaktionen zeigen eine wirklich begründete und nachvollziehbare Meinung. Hätte diese Altersgruppe an den Wahlen teilgenommen, das demokratische Parteienspektrum hätte deutlich stärker abgeschnitten.

Selbstbewusst und mit einem innerlichen Kompass  – das ist ein wichtiges Ziel der Jugendverbandsarbeit. In diesem Kontext spielt Bildungsarbeit eine zentrale Rolle. Bildung ist und bleibt für uns das A und O für Chancengleichheit, Integration und gesellschaftliche Teilhabe. Ganz in diesem Sinne organisieren wir – neben unseren regulären Wochenangeboten – auch in diesem Quartal (April-Juni) attraktive, jugendgerechte Workshops und Events, die eine ausgewogene Palette von „Lernstrategien“ abdecken. Was wollen wir mit diesen Angeboten?

Neues lernen und den Horizont erweitern: Beim Besuch der Kunsthalle, des Maritimen Museums, des Planetariums und des Michels
Selber kreativ werden: Beim Tanzworkshop „Modern Dance“ , der Erzeugung von 3 D Welten im Mindway 3D, beim Setzen und Drucken eigener  Plakate  in der Druckwerkstatt des Museums für Arbeit oder beim Graffiti-Workshop
Unsere individuellen  Perspektiven verbessern: Bei der Berufserkundung der Hochbahn und dem Bewerbungsworkshop „3 in 1 – Erfolgspaket“
Unsere kollektive Selbstorganisation optimieren: Bei der Jugendgruppenleiterschulung  und dem Infonachmittag zu staatlichen Fördermitteln für Jugendverbände

In diese Ziele fügt sich unser 5-jähriges Mentoren-Projekt „Schule – und was dann“ nahtlos ein. Die erste Phase haben wir abgeschlossen, auf der Feedback-Veranstaltung im Januar haben Mentoren und Mentees von ihrer gemeinsamen Arbeit berichtet und es ist einfach befriedigend zu hören, dass nicht nur die Atmosphäre stimmt, sondern es bereits zu sehr guten und nachhaltigen Erfolge gekommen ist. Wir werden darüber noch ausführlich berichten.

Dass junge  Migranten – wenn man ihnen eine wirkliche Chance gibt – einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl unserer Gesellschaft leisten können und wollen, das wiederholen wir mantrahaft seit  der Gründung der AGIJ. Unser Video „Du kannst es schaffen, wenn du nur willst“ über 5 junge Zuwanderer in 5 unterschiedlichen Ausbildungsberufen hat dieses noch einmal an konkreten Beispielen veranschaulicht, authentisch  und überzeugend. Wir haben das Video ein wenig technisch überarbeitet und werden es in Kürze hier verlinken. Es lohnt sich. Insbesondere für Schulen und Vereine, die zeigen möchten, dass man – auch wenn man nicht auf die Sonnenseite der Wohlstandgesellschaft reingeboren wird – mit Initiative und Engagement sehr viel erreichen kann.

Für heute verabschiede ich mich und freue mich auf unsere nächsten Aktivitäten und Eure rege Teilnahme.

Herzlichst Eure Gabriela (1. Vorsitzende)
Hamburg, 1. April 2025